Montag, 25. August 2014

"Wertvoller Rinderbestand"



Man steht vor einem umzäunten Gelände - versteckt hinter meterhohen Maisfeldern kurz vor Berlin. Alte Industriegebäude aus der DDR. Hinter den Mauern sollen über 1.000 Kühe gehalten werden. Das Einzige, was wir durch den Zaun sehen sind kleine Kälber in Ihren Boxen. Sie dürfen noch das Tageslicht sehen. Die Kuhställe sind so alt, das sie nur winzige Luken haben. Von oben sieht das Areal aus wie eine Fabrik. "Bauernhof" trifft es nicht mehr.

Draußen am Zaun hängen Schilder. Die EU hat hier gefördert: den "Neubau eines Kälber- und Jungrindstalls" und den Neubau eines "Kadaverhauses". Der Hinweis "Wertvoller Rinderbestand" wirkt dagegen fast euphemistisch.

Wir melken die Kreatur in dunklen Ställen hinter Stacheldraht in wenigen Jahren bis zur totalen Erschöpfung gefüttert mit Gen-Soja aus Übersee. Die lokale Molkerei gibt es seit 5 Jahren nicht mehr, erfahren wir später. Die Milch wird von Berlin aus fast bis Dresden transportiert um dort verarbeitet zu werden. Das alles ist weit weg, wenn wir in der Stadt in den Kühlschrank greifen. Die Nöte des Landwirts sind uns unbekannt. Zutritt haben wir hier nicht mehr.