Mittwoch, 31. Juli 2013

"Männer lernt das Kochen und lasst den Kühen die Hörner"

Notizen einer Reise ins Allgäu und Südtirol

Das mit der Hand eingebrachte Stroh riecht unvergleichlich. Wie die Wiese, wie die Luft hier. Voller Blüten, Gräser und Kräuter. Der Bauer zeigt mir mit einem Griff ins Heu warum die Kühe so wild auf diese Kost sind. Die ganze Wiese ist im Heu. Keine "Brökelverluste" verhindern den Genuss von Löwenzahnblättern und anderen Kräutern, die sonst schnell in den Maschinen zerkrümeln, durchfallen und auf der Wiese liegen bleiben. Hier ist alles drin. Haufenweise ziehe ich es mit einem Handwagen in den Stall.
Bevor ich fertig bin und die letze Fuhre zu den Kühen bringe atme ich noch einmal den Duft der Wiese ein, der den Stall füllt und lausche dem Schmatzen der Rinder, die danach wieder auf die Weide spazieren.








Als sie von ihrer Lieblingskuh erzählt, kommen der Bio-Bäuerin am Küchentisch die Tränen. Die blonden Wimpern, die beiden karakterstarken Hörner. Eine Gute ist sie die Marie und schon so alt, über 10 Jahre. Noch älter soll sie werden. An ihren Tod will hier keiner denken. Sie wird gepflegt, behütet in Tagen der Krankheit gar ein Gute-Nacht-Lied gesungen.

Nicht weit von hier werden ausgemergelte Kühe aus konventionellen Betrieben lieblos zu McDonalds Hamburgern geschreddert. Nach nur 4 Jahren sind Sie dahin. Vollgepumpt mit Antibiotika und gentechnisch verändertem Futter aus Übersee. Sie waren nie auf der Weide und haben Löwenzahn oder Spitzwegerich knabbern dürfen, wie die Kühe, die mich hier  umgeben.
Fleisch von Bio-Kühen wird dem Fast-Food dennoch gerne mit untergemischt um die Schadstoffbelastung des Hackfleisches zu verringern.

Ihr armen Hetzesser der Bahnhöfe, die ihr nicht wahre Landliebe kennen lernen dürft. 

Natürliche Heilmethoden und auch die Homöopathie sind im Stall verboten und führen zu Strafen, wenn Spuren davon auf dem Hof gefunden werden. Antibiotika bleibt das Mittel der Wahl.

Fast wie eine Entschuldigung klang die Frage der Bäuerin ob einfache Kaasspatzen als Abendbrot in Ordnung wären. Ich erinnere mich an Gerlindes erste Kaasspatzen. Es sind die Besten, die ich je gegessen habe. Lange Fäden ziehender, hofeigener Käse über frisch gekochte Spatzen, die hier kleine Spätzle sind und frisch angerührt werden mit Mehl, Wasser und frischen Eiern – kurz gekocht in heißem Wasser, geschichtet in einer Schüssel. Darüber läuft die heiße Butter, in der die Zwiebeln für die Krönung goldbraun gebraten wurden.

Ich glücklicher Genießer einfacher Speisen.




Die Bäuerin erzählt von den verletzenden Worten einer Landfrauen-Jury, die ihre gesammelten Blüten auf dem Salat nur den eigenen Kühen vorsetzen würde. Der Sternekoch wird für wilde Kräuter in der Stadt bewundert, die Bäuerin auf dem Land verspottet.


In einem Eimer sammele ich sie ein. Es sind viele lange braune, schleimige Geschöpfe.
Die unterzähligen Weinberg-Schnecken werfe ich an den Rand des Feldes. Sie fressen die Gelege der anderen, überzähligen Nacktschnecken.
Meine heutige Sammlung fressen später die Schweine, die hier frei herumhopsen und sich riesig auf die kleinen Bonbons aus meinem Eimer freuen. Die Wiese, die frisch gesenst zu den Schweinen fliegt, wird als Allererstes nach diesen kleinen Leckereien durchsucht.
"Meine Freunde sagen die Motorsense wäre schneller. Das ist eine Lüge", sagt Thomas und senst in großen Schwüngen weiter. Er würde den Wettbewerb gewinnen, leise und ohne Abgasgestank.
Heute Abend essen wir den Salat – nicht die Schnecken.












Wie echt hier alles ist. Man sitzt bei einem einfachen Abendbrot zusammen und hat Kartoffeln gerade aus der Erde am Berg gehohlt. Salat frisch geschnitten und dazu Blüten gezupft. Franzosenkraut und Melde gesammelt. Speck von den eigenen Schweinen – selbst geschlachtet und gereift – wird stolz präsentiert und aufgeschnitten. Dazu gibt es Sauerteig-Brot voller Kräuter die riechen wie die Bergwiese auf der ich heute gewandert bin. Ab und zu beiße ich auf ein Kümmelkörnchen das ätherisch in meinem Mund zerplatzt.

Der Reichtum liegt im Einfachen. 
Ich spüre die Ferne der Armut.
Ich fürchte die Ferne des Einfachen in der Stadt.











Vor dem Supermarkt in den Thomas seinen, am morgen frisch geernteten Bio-Salat liefert hängt ein Werbeplakat für eine fertig geschnittene, begaste und in Tüten verpackte Salatmischung. Sie ist im Angebot. "Nach so etwas fragen die Leute auch ab und zu am Stand auf dem Wochenmarkt", erzählt Thomas. Heute lerne ich jedoch nur Menschen kennen, die in Thomas' Garten kommen und sich frischen Salat, Zuchini und Kräuter holen.

Ihr Glücklichen. 
Ihr Aufmerksamen.































Die nachhaltigste Milcherfahrung mache ich morgens beim Frühstück. So lange hat noch keine Milch in meinem Mund geschmeckt. Vollrahmig, süß und lecker. Der Geschmack bleibt lange und man kann im langen Abgang erahnen, wie gut der Käse wird, der daraus entsteht. DAS ist Milch, denke ich.

Handelskorrekt müsste sie Rohmilch heißen, denn sie kommt direkt aus dem Melkstand, quasi unbehandelt aus dem Euter. Ihr Genuss ist mitlerweile fast strafbar. Der Verkauf ist verboten und nur mit Ausnahmeerlaubnis unter strengen Auflagen erlaubt. Normal ist inszwischen die Milch geworden, die homogenisiert, pasteurisiert, microgefiltert, ja fast komplett auseinandergebaut wird, um dann wieder zusammengefügt und totgekocht in Tetrapacks gefüllt zu werden. Entfettet wird sie dann angeboten, weil sich das Milchfett woanders besser verkaufen lässt und verwirrte Esser der Stadt glauben sie wäre "gesünder".

Ihr armen Milchtrinker. 
Ihr Lifestyle-Betrogenen.



Tierschützer rufen beim Bauern an und beschweren sich über Kälber, die auf der Wiese ganz natürlich und ohne fremde Hilfe auf die Welt gekommen sind. Dort fallen sie weich und liegen auf einem Bett aus Gräsern und Kräutern. Anders als im Stall haben sie hier Halt und können leichter aufstehen. Die Mutter leckt das Kalb viel eher ab, was sehr wichtig für den Start ins Leben ist. Dies wärmt das Junge natürlich und ohne Hilfe. Auch die Sonne gibt ihren Teil dazu. Im Stall ist es schnell zu kühl und zu eng oder stressig. Das Kalb macht alles richtig, steht putzmunter nach nur einer Stunde auf der Wiese und läuft den Hang hinauf.
Der Bauernverband rät Landwirten nur noch im Schutz der Dunkelheit auf den Feldern Mist zu verteilen. Laufställe für Kühe sollten Bevölkerungsabgewand und uneinsichtig gebaut werden. Der Landwirt, der sich nicht versteckt und Kühe auf der Weide hält wird beschimpft und gedemütigt.

Der Skandal ist unsere Dummheit.
Sie ist 1000 mal tiefer als der Graben neben der Weide.


"Da draußen entstehen Tierfabriken, die wir nicht mehr auf Bio umstellen können. Sie sind zu groß." Alles wird auf maschinelle Prozesse ausgelegt, die zu weit weg sind von etwas, was Land-wirtschaft genannt werden könnte. Die Entwicklungen der letzten fünf Jahre sind dramatisch. Dörfer, die noch Bauern kannten, verlieren sie. Kein Bauer sitzt mehr mit am Tisch – nicht in der Kneipe und nicht im Rathaus. Um das Dorf wächst beschauliche Wiese auf der keine Kühe mehr stehen, dahinter steht der Mais bis zum Horizont für die Gas-Anlage in der die Lebensmittel brennen.



"Ich will keine Almosen sondern Wertschätzung für meine Arbeit" fordert der Bauer nachdem er erzählt hat, dass fast 50% Prozent seiner Einnahmen nurmehr aus Subventionen bestehen. Applaus brandet auf als später gefordert wird, dass Bauern keine Subventionen mehr erhalten sollten, sondern von ihrer Hände Arbeit leben können müssen. Es sind Käufer und Bauern die klatschen.


Blumen wachsen neben dem Salat, Kräuter zwischen den Zuchini, Gräser mittendrin. Am Rand des Gewächshauses finde ich Basilikum.
Hier wächst alles, denke ich, es sprießt und sprießt, bunt und schön. Die Grenze zwischen Essbar und Unkraut verschwimmt. Die Gärtner picken zielgenau heraus, was schmeckt. Ich schäme mich meines ersten Blickes, der nur einen ungepflegten Garten gesehen hat. Der Blick fürs Detail und der Sinn findet sich erst mit der Zeit. Ich spüre ihn unter meine nackten Füßen die durch die Reihen stapfen.







Was passiert mit einem Land in der die Kühe verschwinden, versteckt und nur mehr produziert werden? 

Was werden meine Kinder noch zu sehen bekommen?



Ich schreibe keine Postkarten sondern fotografiere die Realität, die mich umgibt.




Weit weg in den Urlaub kann der Bauer nicht, erzählt er. Der Tag ist voll. Die Tiere, die Felder und Weiden brauchen ihn Tag für Tag, von morgens bis abends. Weiter als einen Tag der Reise kann er nicht davonfahren. Alles andere erfordert viel Organisation von Aushilfen und telefonische Ferndiagnose. Er spürt sie und nimmt sie wahr, die Verantwortung für Feld, Hof und Tier.

Um mich herum fliegen Bekannte wochenlang nach Afrika, Indien, auf die Malediven oder in die Türkei. Kaum einer wagt sich einen Tag aus der Stadt um die Welt hinter seinem Teller kennen zu lernen und denjenigen dankbar die Hand zu schütteln, die für Mittel zum Leben sorgen und das Tag für Tag.

Wir suchen das Glück in der Ferne und vergessen die Welt vor unserer Haustür, die uns ernährt.




Danke Alois, Gerlinde, Daniel, Lorenz, Thomas und Claudia für die Gastfreundschaft, die Erfahrung, den Genuss und Eure tagtägliche Leistung!

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Kommentare:

  1. Ich fühle mich komplett in meine Kindheit zurück versetzt, wenn auch da nicht nur landwirtschaftliche Idylle im Dorf herrschte. Aber das ist eine andere Geschichte. Danke, Hendrik, für Deinen Reportage vom Land.

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  2. Fein Hendrik! War dieser Tage auch auf der Weide (http://www.extraprimagood.de/2013/07/30/beim-grasen-der-rinder-1-limousin-in-linden/). Kennst Du das "Horn auf!-Projekt? (http://www.kagfreiland.ch/index.php?option=com_k2&view=item&id=4&Itemid=239). Wo ist der Hof, den Du besucht hast? Gerne auch per Mail...

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  3. Schöner, berührender Bericht. Danke dafür!

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  4. Schöner, sehr beeindruckender Bericht! Macht aber auch nachdenklich. Ist es ein Wunder, dass bei so viel Gegenwind/Unverständnis/bürokratischen Schwierigkeiten und nicht zuletzt bei so hohen Anforderungen an persönlichen Einsatz und auch persönliche Opfer (Urlaub) nur wenige bereit sind, so zu wirtschaften?

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  5. Wow, Hendrik. Das Lesen dieses Beitrags beamt einen in eine Welt, die nicht mehr viele Menschen kennen. Schön geschrieben! Danke!
    Beste Grüße,
    Prof. Wurst
    PS: Ich hatte sowas übrigens auch letzte Woche. Auf einer urigen Alm in Osttirol. Kühe, regionale Produkte und viiiiiel Natur pur! :-)

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  6. Danke für Eure wärmenden Worte! Den Bioland Hof der Hofers im Allgäu findet Ihr im Netz unter http://www.hofer-manufaktur.de und den "Biohof Waldförster" der Zössmayrs findet Ihr online in diesem Einkaufsführer auf Seite 31 http://www.bioland-suedtirol.it/bioeinkauf.pdf

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  7. vielen Dank für's Mitnehmen, ein wunderbarer Bericht mit tollen Fotos, fantastischen Menschen, und lesbar viel Herzblut.

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  8. Danke! Ich habe geweint!!! Ganz große Klasse!!! Erwin

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  9. genau. zum glück kenne ich genau das - und wahrscheinlich ist es der wichtigste motor meiner arbeit. danke. alleine für die fotos. das erste würde nicht nur ich dir als poster abkaufen.

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  10. Deine Empörung über das, was unsere Landwirtschaft heute ausmacht, aus der Erfahrung, wie es anders sein kann, hat mich begeistert.

    Einzelne Aspekte aus dem Erfahrungen auf dem Hof würden mich interessieren, auch ohne das große Fass aufzumachen, wie hier. Vielleicht kann das eine Anregung für weitere Artikel sein.

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  11. Ein fast schon poetischer Beitrag - sehr berührend!

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  12. Beeindruckt hat mich dein Zitat:

    "Der Skandal ist unsere Dummheit.
    Sie ist 1000 mal tiefer als der Graben neben der Weide."

    So ist es. Und es wird immer schlimmer.

    Haben auf www.facebook.com/sehnsuchtdeutschland auf deinen Eintrag verlinkt,
    weiterhin viele schöne Reisen mit vielen schönen und einfachen Dingen,

    viele Grüße, David

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  13. Ein wunderschöner Bericht und ich habe sowas Ähnliches 1x im Monat, wenn ich für meine Einkaufsgemeinschaft echte Rohmilch bei meinem Leitzachtaler Ziegenhof in Fischbachau fahre und den draus am Hof veredelten Käse. Murnau Werndenfelser Kühe mit Hörnern, die auch keine Silage bekommen, weil es den Mägen nicht gut tut und weil sie selber wählen können, was sie mögen.
    Wir unterstützen diesen wunderbaren Bauern, der so hart arbeitet und ich kann nur Allen empfehlen, die noch echte Bauern in Ihrer Nähe haben: Kauft dort ein, schliesst euch zusammen, so wie wir das tun. Eine fährt für 35 Leute und alles ist privat ohne Profit, von der Wertschöpfung zur Wertschätzung! Siehe dazu unsere www.genussgemeinschaft.de , auch auf Facebook, wir freuen uns über Likes. Wir sind eine ehrenamtliche Initiative und gehören zu Slow Food München!
    Nachmachen schwer zu empfehlen, wir mögen NIX Anderes mehr!!!

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    1. Silage tut dem Kuhmagen nicht schlecht, es ist Rohfaser (genauso wie Heu und Gras) und durch natürliche Vergärungsprozesse entstanden und die Rohfaser benötigen Wiederkäuer für einen funktionierenden Pansen. Man sollte sie nur nicht füttern wenn man Rohmilchkäse produziert, wegen des Geschmacks!

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    2. Stimmt nicht ganz- Der Käse kriegt Fehlgärungen von der Silage- die Industrie tut dann Chemie rein damit das nicht passiert!!!
      Habe selber eine Kuh mit Nachzucht( die gehört zu unserer Demetergärtnerei) und mache Käse und Quark für unsere Familie.
      Ausserdem ist das was dann hintenrauskommt bei der Kuh so eine Art Durchfall- also nicht gut für die Verdauung...
      Eine Demetergärtnerin

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    3. Ok, ich verstehe nicht allzu viel von Käseherstellung, aber was ich sagen wollte ist eben dass Silage nicht gut für die Käseproduktion ist.
      Was den Kuhmagen angeht: unsere Fleischrinderherde verträgt ihre Silage prima, von daher ist das vllt Ansichtssache. Aber wissenschaftlich gesehen wirkt sie sich jedenfalls nicht negativ aus.
      Eine Agrarstudentin

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  14. Fantastisch geschrieben und wunderschön fotografiert. Dieser Bericht ist wieder einmal Rechtfertigung und Motivation, warum stete Aufklärung und gebetsmühlenartige Thematisierung der Zustände unabdingbar ist. Danke dafür!

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  15. Danke!

    "Der Reichtum liegt im Einfachen.
    Ich spüre die Ferne der Armut.
    Ich fürchte die Ferne des Einfachen in der Stadt."

    Wie wahr!

    "Was passiert mit einem Land in der die Kühe verschwinden, versteckt und nur mehr produziert werden? "

    Das erleben wir doch heute schon!
    (Noch) nicht mit Kühen, aber ....
    das Putensteak auf dem Teller, doch wer hat jemals eine lebende Pute / einen Truthahn im Freien gesehen??

    Deshalb verzichte ich lieber auf Fleisch, auch und gerade von glücklichen Tieren. Ich könnte es einfach nicht!

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  16. Ein schöner Beitrag - aber der modernen Landwirtschaft doch sehr realitätsfern. Nicht alles was nicht perfekte Idylle ist, ist gleich schlecht und Fortschritt gibt es überall.
    Aber es wäre schön wenn mehr Menschen sich für die Herkunft ihrer Nahrungsmittel so interessieren würden - auch wenn man sich auch einmal einen modernen Betrieb anschauen sollte, es lohnt sich!
    "dahinter steht der Mais bis zum Horizont für die Gas-Anlage in der die Lebensmittel brennen": hier in Deutschland leiden wir nicht so sehr unter der Lebensmittelknappheit dass das ein Problem sein sollte. Und es ist eben auch eine Form der regenerativen Energien, das sollte man nicht vergessen!
    Also bitte auch einmal die andere Seite der Medaille betrachten!

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  17. Ich schaue immer beide Seiten an, bin auf solchen und solchen Betrieben unterwegs. Wenn Du meinen Blog verfolgst Anonym wirst Du dies erkennen. Die einzigen die mir noch nie ein Hoftor aufgemacht haben oder eine Einladung ausgesprochen haben sind die riesengroßen, konventionellen Betriebe. Das beschriebene und erlebte ist jedoch keine Romantik! Diesen Betrieben und Menschen die "Modernität" abzusprechen ist eine beliebte rhetorische Figur der Lebensmittelindustrie und des Bauernverbandes, die ich kenne und oft zu hören bekomme. Sie enspricht jedoch nicht der Realität und soll im Grunde nur degradieren. "Das ist ja alles Romantik für wohlhabende Menschen, die sich diese Lebensmittel leisten können." sind dann Sätze, die ich zu hören bekomme. Das entspricht jedoch in keinster Weise der Realität. Ich bin das beste Gegenbeispiel. Hören wir also auf diesen Betrieben die "moderne" Landwirtschaft abzusprechen. Sie gehören dazu.

    Maisfelder, die mit hohem Pestizideinsatz bewirtschaftet werden und mit extrem energieaufwenigem Kunstdünger gedüngt werden sind keine regenerativen Energien. Sie veröden Böden, führen zur Erosion, belasten Grundwässer und nicht zuletzt unseren Urin. Lebensmittel brennen in den Gas-Anlagen im realen wie im Übertragenen, da diese Art der Bewirtschaftung auch dazu führt, dass wir anderen Menschen in anderen Ländern die Lebensgrundlage nehmen in dem wir unsere vergasen und ihre essen.

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    1. Das ist schön zu hören, dass du dir beide Seiten anschaust und ich hoffe, dass sich auch noch die Möglichkeit ergibt sich einen konventionellen Großbetrieb anzuschauen. Natürlich finde ich kleine Betriebe nicht per se unmodern, aber ein konventioneller Betrieb mit 500 Kühen und einem neuen Stall ist für mich doch "moderner" als ein kleiner Betrieb mit 20 Kühen, die zwar alle einen Namen haben aber in einem alten, vielleicht nicht so idealen Stall leben. Ich spreche da aus Erfahrung, denn ich komme selber von solch einem kleinen, konventionell geführten Betrieb. Der wäre aus deiner Sicht superidyllisch und ich mag ihn auch genau so wie er ist - aber um eine realistische Zukunft mit einem geregelten Einkommen zu haben ist er einfach zu unmodern.
      Im Endeffekt ist der Mittelweg eben der richtige. Ich halte weder eine rein ökologische Landwirtschaft im kleinbäuerlichen System für sinnvoll noch eine superintensive, Düngemittel und Pestizide im Überfluss benutzende Landwirtschaft im "agrarindustriellen" Stil. Das ist auch immer situations- und standortabhängig.
      Aber man sollte eben auch nicht der Landwirtschaft ihren Fortschritt verwehren (ein sehr guter Artikel dazu aus der Zeit: http://www.zeit.de/2012/24/N-Power-to-the-Bauer), denn dass dort alles so wie früher bleibt aber alles andere weiterentwickelt wird, kann man nicht verlangen (siehe Post unter mir). Denn die meisten Landwirte von heute - auch die konventionellen, großen - sind genauso um das Wohl ihrer Tiere und ihrer Felder bedacht wie die von früher. Wie kann ein Landwirt sein Einkommen sichern, wenn er nicht auf nachhaltige Bodenfruchtbarkeit und gesunde Tiere achtet?
      Das passt dann auch wieder zu der Maisanbau-Diskussion: kein Landwirt "verödet" mutwillig seinen Boden sprich seine Lebensgrundlage. Und dass im Maisanbau weniger Pestizide eingesetzt werden, als bei anderen Kulturen, da es dort viel weniger Pilzkrankheiten etc. gibt, ist auch nochmal so eine Sache. Abgesehen davon, dass wir in Deutschland auch eigentlich genug Platz für zumindest ein paar Biogasanlagen haben (es gibt viel zu viele, das stimmt), ohne dass wir anderen Menschen ihre Lebensgrundlage nehmen müssen.
      Ich könnte jetzt noch seitenweise weiterschreiben, denn das Thema ist unerschöpflich, aber ich möchte wirklich davon abraten, immer in böser konventioneller Großbauer und guter ökologischer Kleinbauer zu sortieren - ich bin der Meinung dass fast alle Landwirte ihren Beruf lieben, und daher auch den Respekt vor Natur und Tieren weiterhin behalten werden!

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  18. Ach, wie mich das an meine Kindheit auf dem Land erinnert.
    Genauso war es damals.
    Schön, dass es solche Oasen auch heute noch gibt.
    Bedauerlich, dass es so wenige davon gibt.
    Nicht nur bedauerlich, sondern schändlich.
    Der Respekt vor Natur und Tieren ist leider fast vollständig dahin.
    Irgendwann wird sich das rächen.
    Bewegte Grüße
    Renate

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  19. Ein toller Bericht: unterhaltsam geschrieben und sehr schön bebildert! Es war eine Freude, ihn zu lesen.

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  20. Ein wirklich schöner Bericht, vielen Dank dafür!

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  21. Ein wunderbarer Bericht mit einem leidenschaftlichen Apell an den Esser... und Käufer. Nachdenken tut gut.

    Mit Gruß,
    Katja (Hornkuhvollmilchtrinkerin)

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  22. Was für ein wundervoller Artikel und tolle Bilder. Ich bin berührt.

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